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Was sind Cleats? Alles über Schuhplatten und Klickpedal-Systeme
Was sind Cleats? Wir erklären Schuhplatten, 2-Loch- vs. 3-Loch-Systeme, SPD vs. SPD-SL und geben technische Tipps zu Montage und Wartung.

Was sind Cleats? Wer zum ersten Mal Klickpedale montiert, steht vor einem kleinen, unscheinbaren Kunststoff- oder Metallplättchen, das die Verbindung zwischen Schuh und Pedal herstellt. Dieses Plättchen — das Cleat — ist kein Zubehör, sondern das mechanische Herzstück jedes Klickpedal-Systems. Ob Rennrad, Gravel oder Mountainbike: ohne das passende Cleat kein Klick, kein kraftschlüssiger Tritt, kein gezielter Zug beim Pedalieren.
Was sind eigentlich Cleats? Die Basis der Klickverbindung
Ein Cleat ist eine Schuhplatte, die an der Sohle des Radschuhs verschraubt wird und beim Einsteigen in den Pedalmechanismus einrastet. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bezeichnet im weiteren Sinne jede Art von Stollen oder Nocken — im Radsport ist er auf die Schnittstelle Schuh–Pedal fokussiert.
Technisch funktioniert das System so: Das Cleat besitzt eine definierte Geometrie — einen Vorsprung oder eine Kante — die in die Federstahlmechanik des Pedals greift. Beim Einsteigen mit Druck drückt die Vorderkante des Cleats unter den Pedalhaken, die Feder schnappt über den hinteren Nocken, und die Verbindung ist hergestellt. Das Auslösen erfolgt je nach Hersteller durch seitliches Verdrehen des Fußes um 6–15° oder durch eine Kombination aus Drehen und Anheben.
Cleats werden mit 2 oder 3 Schrauben an der Schuhsohle befestigt. Die Anzahl der Schrauben hängt vom Bohrungs-Standard des Schuhs ab und hat direkten Einfluss auf die Systemkompatibilität. 2-Loch-Bohrung (auch als „2-Bolt" bezeichnet) ist der MTB- und Trekkingstandard — breite Sohle, viel Gummiprofil, gut zu Fuß. 3-Loch-Bohrung ist der Rennrad-Standard nach LOOK-Norm — starre Karbonsohle, optimale Kraftübertragung, aber kaum alltagstauglich.
Ein Cleat hat keine eigene Energiequelle oder Elektronik; die Verbindungssicherheit kommt ausschließlich aus Geometrie, Federkraft und Material. Qualitativ minderwertige Cleats aus weichem Kunststoff leiern schnell aus — ein Rennradfahrer, der 6.000 Kilometer pro Jahr fährt, sollte Cleats aus Metall oder Hochleistungspolymer alle 8.000 bis 12.000 km prüfen und bei sichtbarem Abrieb tauschen.
MTB vs. Rennrad: Die Unterschiede der Klick-Systeme
Die Kernfrage beim Kauf lautet: Mountainbike- oder Rennradsystem? Beide Welten haben sich auf unterschiedliche Anforderungen optimiert, und ein falsches Matching kostet Effizienz oder Komfort.
MTB-Systeme — allen voran Shimanos SPD (Shimano Pedaling Dynamics) mit 2-Loch-Bohrung — setzen auf einen kleinen Metallstollen, der tief in die Schuhsohle eingelassen ist. Vorteil: Der Stollen ragt nicht über das Schuhprofil hinaus, sodass man normal gehen, laufen oder eine Schiebepassage am Berg abhandeln kann. Der Stollen aus Stahl oder Aluminium ist robust gegenüber Schlamm, weil er sich durch die enge Aufnahme selbst reinigt. Nachteil: Die kleinere Auflagefläche überträgt maximale Tretkraft nicht so effizient wie eine große Platte.
Rennradsysteme — LOOK Kéo, Shimano SPD-SL, Time ATAC Road oder Speedplay — setzen auf große dreieckige oder ovale Platten aus Kunststoff oder Karbon, die bündig unter der Sohle sitzen. Die Auflagefläche eines SPD-SL-Cleats beträgt je nach Modell 50–65 cm²; ein SPD-MTB-Stollen kommt auf kaum 8–10 cm². Diese Fläche verteilt die Tretleistung auf mehr Knochen und Gewebe im Mittelfußbereich — bei langen Touren spürbar weniger „Hot Spot". Nachteil: Außerhalb des Sattels stapft man wie ein Pinguin über Parkettböden.
Systemvergleich auf einen Blick:
- SPD (MTB, 2-Loch): Stollen ~8–10 cm², Stahl, Gehkomfort +++, Kraftübertragung ++
- SPD-SL (Rennrad, 3-Loch): Platte ~50–65 cm², Kunststoff, Gehkomfort –, Kraftübertragung +++
- LOOK Kéo (Rennrad, 3-Loch): Platte ~55 cm², Kunststoff, Gehkomfort –, Kraftübertragung +++
- Time ATAC (MTB/Road, 2-Loch): Stollen, Stahl, Gehkomfort ++, Kraftübertragung ++
Für Pendler, die ihr Rad nach der Fahrt abstellen und in ein Büro laufen, empfiehlt sich fast immer das SPD-System oder ein vergleichbares MTB-Cleat. Wer dagegen mehrere Touren pro Woche auf einem Rennräder für Einsteiger fährt und kaum zu Fuß unterwegs ist, profitiert von der größeren Platte.
SPD-Cleats im Detail: SM-SH51 vs. SM-SH56
Innerhalb des SPD-Systems unterscheidet Shimano zwischen zwei Cleat-Typen: Das SM-SH51 (einzelner Auslöserichtung, seitlich) und das SM-SH56 mit Multi-Release — letztes lässt sich zusätzlich nach hinten oben herausziehen, was bei Stürzen oder beim Absteigen ohne Drehbewegung hilft. Für Einsteiger und Tourenfahrer ist das SM-SH56 die sicherere Wahl; der geübte MTB-Fahrer, der schnelles Aus- und Einsteigen gewohnt ist, bevorzugt oft das SH51.
Shimano SPD vs. SPD-SL: Welche Klickpedale fürs Rennrad?
Die häufigste Verwechslung im Laden: Shimano SPD und Shimano SPD-SL klingen ähnlich, sind aber mechanisch vollständig inkompatibel. Wer SPD-SL-Pedale kauft und SPD-Schuhe mitbringt, kommt nicht ins Pedal hinein — und umgekehrt.
Shimano SPD-SL (das „SL" steht für SuperLight) ist Shimanos Antwort auf das 1984 von LOOK eingeführte 3-Loch-Rennradsystem. Das Cleat ist aus Kunststoff, dreieckig und existiert in drei Farbvarianten mit unterschiedlichem Float:
- Gelb (SM-SH11): 6° Float — Standardwahl, empfohlen für die meisten Knie
- Blau (SM-SH12): 2° Float — für Fahrer, die eine definierte Fersenlage bevorzugen
- Rot (SM-SH10): 0° Float — fixierte Position, ausschließlich für Spezialanwendungen oder nach biometrischer Analyse
Float bezeichnet die Winkelfreiheit, die der Fuß im eingeklickten Zustand hat — also wie weit er sich um die Hochachse drehen kann, ohne auszulösen. 6° Float ist für Einsteiger und Allround-Fahrer der sinnvolle Ausgangspunkt, weil er natürliche Kniebewegungen zulässt und das Verletzungsrisiko durch erzwungene Fehlstellung reduziert.
Shimano SPD fürs Rennrad? Das klingt unlogisch, ist aber als Kompromisslösung verbreitet: Wer mit Rennradgeometrie fährt, aber das Café oder den Supermarkt ohne Klammergriff-Schuhwerk aufsuchen möchte, montiert SPD-Systeme (z. B. Shimano PD-A530 oder PD-ES600). Kraftübertragungseffizienzverluste gegenüber SPD-SL existieren, sind aber im Alltags- und Tourenbetrieb kaum messbar.
Konkurrenten zu Shimano SPD-SL: LOOK Kéo (großer Float-Bereich, weit verbreitet im Profibereich), Time XPRO/XPRESSO (elastisches 4D-Float-Konzept), Speedplay (doppelseitiges Einsteigen, sehr geringes Gewicht ab 59 g pro Pedal, Float individuell einstellbar von 0–15°). Jedes dieser rennrad-spezifischen Systeme hat eine eigene Cleat-Geometrie und ist nicht mit den anderen kompatibel.
„Das falsche Cleat gekauft" ist der teuerste Anfängerfehler beim Umstieg auf Klickpedale — vor dem Kauf immer Pedal-Hersteller, Cleat-Typ und Schuh-Bohrung prüfen.
Montage und Mechanik: Ergonomie und Float erklärt
Die Montage eines Cleats bestimmt maßgeblich, ob das Knie nach 100 Kilometern schmerzt oder nicht. Drei Parameter sind entscheidend: Längsposition (vor/zurück), Querposition (innen/außen) und Winkel (Rotation).
Längsposition: Die Faustregel lautet, dass der Cleat-Mittelpunkt unter dem Köpfchen des Mittelfußknochens (Metatarsale II oder III) sitzen sollte. Im praktischen Ablauf: mit einem Filzstift die Knochenvorsprünge seitlich am Schuh markieren, dann das Cleat entsprechend ausrichten. Sitzt das Cleat zu weit vorne, lastet der Druck auf den Zehen — bei längeren Einheiten ein sicheres Hot-Spot-Rezept.
Querposition: Die Ferse darf weder am Kurbelarm streifen noch nach außen wegkippen. Einstellbereich je nach Schuh und Cleat: ±4 bis ±8 mm.
Winkel: Hier kommt der Float ins Spiel. Wer keine biometrische Analyse gemacht hat, beginnt mit gelbem SPD-SL-Cleat (6°) oder stellt das MTB-Pedal auf mittlere Auslösehärte. Die Ferse natürlich hängen lassen, Cleat auf neutralen Winkel setzen — nicht versuchen, den Fuß künstlich zu rotieren.
Anzugsdrehmoment für Cleat-Schrauben: Shimano gibt 5–6 Nm an. Das ist wenig — ein normaler Inbusschlüssel überzieht das leicht. Wer den Wert nicht einhalten kann oder will, sollte sich informieren, warum 20 Nm am Fahrrad ohne Messwerkzeug gefährlich ist — dasselbe Prinzip gilt auch für niedrigere Drehmomentwerte. Schrauben, die zu fest angezogen wurden, reißen das Gewinde aus der Kunstharzsohle heraus; zu lose angezogene Cleats wandern unter Last.
Schuhplatten aus Kunststoff (SPD-SL, LOOK) zeigen Verschleiß als sichtbares Abschaben der Nocken und Kanten. Wer regelmäßig zu Fuß läuft, schleift das Cleat schneller ab — manchmal innerhalb von 5.000 km. Metallische Cleats (SPD) halten deutlich länger, sollten aber auf Risse oder verbogene Kanten untersucht werden, wenn das Einsteigen immer ungenauer wird.
Vorteile und Wartung: Kraftübertragung und runder Tritt
Wofür der ganze Aufwand? Der Hauptvorteil von Klickpedalen mit Cleats liegt in der definierten Fußposition über den gesamten Kurbelumlauf. Ohne Fixierung wandert der Fuß bei Müdigkeit oder Bergaufpassagen, und Tretkraft geht als seitliche Auslenkung verloren. Mit Cleat ist der Fuß in allen drei Raumachsen fixiert (mit definiertem Float in der Rotation), wodurch auch der Zug in der Aufwärtsphase des Trittes übertragen werden kann — relevant vor allem bei hoher Trittfrequenz (90–100 U/min), wie sie im Rennradsport angestrebt wird.
Wissenschaftlich betrachtet ist der Nettovorteil durch den Zug begrenzt — die Wadenmuskulatur zieht zwar, aber schwächer als die Quadrizeps in der Druckphase drückt. Der reale Gewinn liegt weniger im aktiven Zug als in der gleichmäßigen Fußführung: Kein Abrutschen, kein Verkrampfen, kein Energieverlust durch Fehlposition.
Wartung der Klickmechanik: Pedale müssen regelmäßig kontrolliert und gefettet werden. Konkret:
- Federstahl-Backen jährlich oder nach besonders schlammiger Saison mit Fahrradfett oder dünnflüssigem Öl benetzen
- Einstellschraube für die Auslösehärte auf Rosterkennung prüfen; korrodierte Schrauben brechen beim Einstellen ab
- Cleat-Befestigungsschrauben nach jeder langen Tour (400–500 km) auf Sitz prüfen
Pedale wie das Shimano PD-M540 (SPD, ca. 290 g/Paar) sind bis auf die Achslager vollständig selbst wartbar — Ersatzkits sind erhältlich. SPD-SL-Pedale wie das PD-R7000 (305 g/Paar) sind ähnlich aufgebaut.
Auch die passende Ausrüstung drumherum ist relevant: ein Radfahrer, der bei Regen fährt, sollte auch an wasserdichte Fahrradjacken denken, um die gesamte Ausrüstung auf das Wetter abzustimmen.
Häufige Fragen (FAQ)
Häufige Fragen
- Was sind Cleats?
- Cleats sind Schuhplatten, die an der Sohle von Radschuhen verschraubt werden und in den Mechanismus von Klickpedalen einrasten. Sie stellen eine formschlüssige Verbindung zwischen Fuß und Pedal her, die die Kraftübertragung verbessert und eine definierte Fußposition sichert.
- Was sind SPD Cleats?
- SPD steht für Shimano Pedaling Dynamics. SPD-Cleats sind kleine Metallstollen mit 2-Loch-Bohrung, die primär im MTB- und Trekkingbereich eingesetzt werden. Sie sind tief in die Schuhsohle eingelassen, was normales Gehen ermöglicht. Das SM-SH51 löst seitlich aus, das SM-SH56 auch nach oben – Letzteres ist für Einsteiger empfehlenswert.
- Was sind Cleats beim Rennrad?
- Beim Rennrad werden großflächige Cleats mit 3-Loch-Bohrung verwendet, etwa Shimano SPD-SL, LOOK Kéo oder Time XPRESSO. Sie bieten eine Auflagefläche von 50–65 cm², was die Tretkraft gleichmäßig verteilt und Hot Spots bei langen Touren reduziert. Dafür ist der Gehkomfort außerhalb des Sattels gering.
- Was sind Cleats beim Fahrrad allgemein?
- Am Fahrrad bezeichnen Cleats generell die Schuhplatten jedes Klickpedal-Systems. Je nach Disziplin – MTB, Rennrad, Gravel, Trekking – unterscheiden sich Größe, Material (Metall oder Kunststoff), Float (Winkelfreiheit) und Bohrungsstandard (2-Loch oder 3-Loch).
- Welche Klickpedale sind fürs Rennrad geeignet?
- Für das Rennrad eignen sich 3-Loch-Systeme: Shimano SPD-SL (weit verbreitet, Einstieg mit gelbem 6°-Float-Cleat), LOOK Kéo (großer Float-Bereich, Profi-Favorit), Time XPRESSO (elastisches 4D-Float) und Speedplay (doppelseitiges Einsteigen, ab 59 g, frei einstellbarer Float 0–15°). Alle Systeme sind untereinander inkompatibel – Pedal und Cleat müssen vom gleichen Hersteller stammen.
- Wie oft müssen Cleats gewechselt werden?
- Kunststoff-Cleats (SPD-SL, LOOK) sollten alle 8.000–12.000 km oder bei sichtbarem Abrieb der Nocken getauscht werden. Wer regelmäßig zu Fuß läuft, verschleißt sie schneller – teils schon nach 5.000 km. Metall-Cleats (SPD) halten deutlich länger, sollten aber auf Risse und Verformungen geprüft werden, wenn das Einrasten ungenau wird.